Leitfaden Energie und Beleuchtung im Notfall
Ein Stromausfall bedeutet nicht nur, im Dunkeln zu sitzen. Es bedeutet, den Kühlschrank (und alles darin) zu verlieren, das Smartphone nicht laden zu können, mitten im Winter ohne elektrische Heizung dazustehen und sich nicht über die aktuelle Lage informieren zu können. In Deutschland sind längere Stromausfälle häufig mit Stürmen, Hochwasser oder Netzstörungen verbunden. Der große europäische Stromausfall von 2025 hat gezeigt, dass selbst die robustesten Infrastrukturen verwundbar sind.
Die gute Nachricht: Mit einer moderaten Investition können Sie sich eine grundlegende Energieautarkie für mehrere Tage schaffen. Sie brauchen weder einen Benzingenerator noch Solarpanels auf dem Dach: Einige wenige gut gewählte Geräte reichen aus.
Beleuchtung: das erste Bedürfnis
Wenn der Strom ausfällt, ist die unmittelbare Priorität, sehen zu können. Völlige Dunkelheit in der Wohnung erzeugt Angst, erhöht das Unfallrisiko und erschwert jede andere Aufgabe. Das BBK empfiehlt, mindestens eine Taschenlampe pro Erwachsenem im Haushalt zu haben.
Taschenlampen
- LED-Handtaschenlampe: die grundlegende und unverzichtbare Option. Moderne LEDs sind effizient und leuchten Dutzende Stunden mit einem Satz Batterien. Halten Sie eine auf jeder Etage und eine neben dem Bett bereit.
- Stirnlampe: macht die Hände frei zum Kochen, Reparieren oder Bewegen. Sehr nützlich, wenn Sie während des Stromausfalls Arbeiten erledigen müssen. Modelle mit Dimmer schonen die Batterie.
- LED-Campinglaterne: beleuchtet einen ganzen Raum. Ideal für den Gemeinschaftsbereich, in dem sich die Familie versammelt. Modelle mit Haken lassen sich an der Decke oder einem Regal aufhängen.
Ersatzbatterien
Batterien sind genauso wichtig wie die Taschenlampen. Halten Sie mindestens zwei komplette Ersatzsätze pro Taschenlampe bereit. Qualitativ hochwertige Alkalibatterien halten bis zu 10 Jahre bei Lagerung, ohne nennenswert an Ladung zu verlieren. Wiederaufladbare Batterien sind langfristig günstiger, benötigen aber ein Ladegerät (und Strom dafür).
Tipp: Vereinheitlichen Sie die Batteriegröße Ihrer Notfallgeräte. Wenn alle Taschenlampen und das Radio AA-Batterien verwenden, brauchen Sie nur eine Sorte als Reserve. Vereinfachen Sie die Logistik.
Olight Warrior Mini 3
1750 Lumen, USB-C aufladbar, IPX8. Passt in die Hosentasche
Kerzen: letzter Ausweg
Kerzen funktionieren, aber das BBK rät davon ab, sie als Hauptlichtquelle zu verwenden — wegen der Brandgefahr. Wenn Sie sie benutzen, stellen Sie sie immer in einen stabilen Halter, entfernt von Vorhängen oder brennbaren Materialien, und lassen Sie sie nie unbeaufsichtigt oder beim Schlafen brennen. Mit Kindern oder Tieren im Haus sollten Sie ganz darauf verzichten.
Aufladen von Geräten
Ihr Smartphone ist Ihr Kommunikations- und Informationswerkzeug und manchmal Ihre einzige Taschenlampe. Es während eines Stromausfalls geladen zu halten, ist entscheidend. Hier kommen Powerbanks und Solarpanels ins Spiel.
Powerbanks (tragbare Akkus)
- Empfohlene Mindestkapazität: 10.000 mAh. Das reicht für 2–3 vollständige Ladungen eines Standard-Smartphones.
- Für Familien: 20.000–30.000 mAh. Erlaubt das Laden mehrerer Geräte oder hält ein Smartphone über mehrere Tage am Laufen.
- Immer geladen halten. Eine leere Powerbank ist nutzloses Gewicht. Laden Sie sie alle 3 Monate nach, auch wenn Sie sie nicht nutzen, da Lithiumbatterien mit der Zeit an Ladung verlieren.
- Modelle mit Solarladung: einige Powerbanks haben ein kleines Solarpanel. Das ist eine Ergänzung, keine Hauptquelle: Die Solarladung dieser Modelle ist langsam.
Anker PowerCore 20000
20.000 mAh = 4–5 Smartphone-Ladungen. USB-C. Wiegt 350 g
Tragbare Solarpanels
Für Notfälle, die länger als 3–4 Tage dauern, ist ein faltbares tragbares Solarpanel eine lohnende Investition. Modelle mit 20–30 W können ein Smartphone in 2–3 Stunden bei direkter Sonne laden und lassen sich auf Buchgröße zusammenfalten.
- Leistung: mindestens 20 W zum Laden von Smartphones. 50–100 W, wenn Sie auch eine große Powerbank oder ein Radio laden möchten.
- Kompatibilität: achten Sie darauf, dass ein USB-Ausgang vorhanden ist (die meisten haben einen). Leistungsstärkere Modelle bieten einen DC-Ausgang für größere Geräte.
- Einschränkungen: brauchen direkte Sonne. An bewölkten Tagen oder in Innenräumen erzeugen sie praktisch keinen Strom. Im Winter sind die Sonnenstunden in Deutschland begrenzt.
BigBlue 28W Solarpanel
28 W faltbar mit 3 USB-Anschlüssen. Lädt ein Smartphone in 2–3 h bei direkter Sonne
Tragbare Powerstations
Wenn Ihr Budget es erlaubt, sind tragbare Powerstations die umfassendste Lösung. Sie sind im Grunde große Batterien mit normalen Steckdosen, USB-Anschlüssen und manchmal 12-V-Ausgang. Modelle mit 500–1.000 Wh können eine LED-Lampe betreiben, Smartphones laden und sogar einen kleinen tragbaren Kühlschrank stundenweise versorgen. Sie werden über Solarpanel, Auto oder Stromnetz aufgeladen.
Was bei einem Stromausfall nicht funktioniert
Bevor Sie planen, ist es nützlich zu wissen, was Sie verlieren, wenn der Strom ausfällt:
- Kühlschrank und Gefriertruhe: ein geschlossener Kühlschrank hält die Kälte etwa 4 Stunden. Eine volle Gefriertruhe bis zu 48 Stunden. Öffnen Sie die Tür nicht, wenn es nicht unbedingt nötig ist.
- Elektrische Heizung: wenn Ihr Heizsystem elektrisch ist, brauchen Sie eine Alternative. Rettungsdecken, Schlafsäcke und warme Kleidung sind die sicherste Lösung.
- Router und Internet: ohne Strom kein WLAN. Ihre einzige Verbindung sind die mobilen Daten des Smartphones (sofern die Mobilfunkmasten weiterhin funktionieren).
- Aufzug: bleibt stehen. Wenn Sie in einem hohen Stockwerk wohnen, bedenken Sie die eingeschränkte Mobilität von älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung.
- Wasserpumpe: in Wohnungen mit Dachtank hält das Wasser so lange, wie der Tank gefüllt ist. In Gebäuden mit Druckpumpe kann das Wasser sofort ausfallen.
Wenn Sie die Kommunikation während eines Stromausfalls aufrechterhalten möchten, müssen Sie Powerbank und Notfallradio kombinieren.
Schnellliste: Ihr Energiekit
- 1 LED-Taschenlampe pro Erwachsenem + 1 LED-Campinglaterne für den Gemeinschaftsbereich
- 2 Sätze Ersatzbatterien pro Gerät
- 1 Powerbank mit 10.000+ mAh (20.000+ für Familien)
- Tragbares Solarpanel mit 20W+ für längere Autarkie
- Ladekabel für alle Ihre Geräte
- Rettungsdecken als Reserve zum Warmhalten
| Ausrüstung | Menge | Wofür |
|---|---|---|
| LED-Taschenlampe | 1 pro Erwachsenem | Sehen können: unmittelbare Priorität, wenn der Strom ausfällt |
| LED-Campinglaterne | 1 für den Gemeinschaftsbereich | Beleuchtet den Raum, in dem sich die Familie versammelt |
| Ersatzbatterien | 2 Sätze pro Gerät | Hält Taschenlampen und Radio während des Stromausfalls betriebsbereit |
| Powerbank | 10.000+ mAh (20.000+ für Familien) | 2–3 vollständige Smartphone-Ladungen; mehr für mehrere Geräte |
| Tragbares Solarpanel | 20 W+ | Längere Autarkie: lädt Smartphones bei direkter Sonne nach |
| Ladekabel | Für alle Ihre Geräte | Ohne passendes Kabel nützt die Powerbank nichts |
| Rettungsdecken | Als Reserve | Warmhalten, wenn die elektrische Heizung ausfällt |
Warten Sie nicht, bis der Strom ausfällt, um festzustellen, dass Ihre Taschenlampe keine Batterien hat oder Ihre Powerbank leer ist. Überprüfen Sie alles alle 3 Monate und halten Sie es griffbereit. Der Notfallplaner enthält die Kategorie Energie und empfiehlt Ihnen konkrete Produkte je nach Dauer des eingestellten Szenarios. Wenn Sie genau berechnen möchten, wie viel Energie Sie brauchen, probieren Sie unseren Energierechner aus.
Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Bundesnetzagentur, Deutsches Rotes Kreuz (DRK).
Häufige Fragen
Brauche ich ein Notstromaggregat für meinen Haushalt?
Für die meisten deutschen Mietwohnungen ist ein Benzin- oder Dieselgenerator nicht sinnvoll: Sie dürfen ihn nicht im Innenraum betreiben (CO-Vergiftungsgefahr, das BBK warnt explizit), Kraftstofflagerung ist begrenzt und der Lärm ist im Mehrfamilienhaus ein Problem. Für Eigentümer mit Garten oder Garage kann ein 2–3 kW Inverter-Generator (Honda EU22i, Yamaha EF2200iS) bei mehrtägigen Ausfällen wie nach Sturm Friederike 2018 oder Kyrill 2007 in NRW dennoch sinnvoll sein. Für Stadtbewohner empfehlen wir stattdessen eine tragbare Powerstation 500–1.500 Wh (EcoFlow Delta 2, Jackery 1000, Bluetti AC180) plus 100-W-Solarpanel. Damit überbrücken Sie 24–72 Stunden für Kommunikation, Licht und Kühlung medizinischer Geräte ohne Lärm oder Abgase. Welche Powerstation für welche Haushaltsgröße passt, lesen Sie im Blogartikel Tragbare Powerstation Kaufberatung.
Welche Powerbank-Größe brauche ich für die Familie?
Faustregel: Ein modernes Smartphone hat etwa 4.000–5.000 mAh. Eine 10.000 mAh Powerbank (Anker PowerCore 10K, INIU B6) liefert real rund 1,8 volle Ladungen, eine 20.000 mAh entsprechend 3,5–4 Ladungen, eine 30.000 mAh etwa 5–6 Ladungen. Für eine vierköpfige Familie mit jeweils einem Smartphone reicht im 72-Stunden-Szenario eine 20.000–30.000-mAh-Powerbank, wenn alle Geräte im Energiesparmodus laufen. Bei längeren Ausfällen wie im Ahrtal 2021 oder beim Spanien-Blackout vom 28. April 2025 wird zusätzliche Nachladung über Solar oder Powerstation kritisch. Das BBK empfiehlt, Powerbanks alle 3 Monate nachzuladen, da Lithium-Ionen-Zellen sich selbst entladen. Wer Modelle, Kapazitäten und Preise vergleichen will, findet in unserer Übersicht zu Powerbanks und Taschenlampen die getesteten Optionen.
Wie heize ich ohne Strom?
Die meisten Gas- und Ölheizungen in Deutschland brauchen Strom für Brenner, Steuerung und Umwälzpumpe — fällt der Strom aus, bleibt die Heizung trotz vollem Tank kalt. Bewährte Notlösungen: ein Petroleumofen vom Typ Zibro/Toyotomi (Gewicht 8–15 kg, 2–3 kW Heizleistung), allerdings nur in gut belüfteten Räumen wegen CO und Feinstaub. Ein offener Kamin oder Holzofen mit eigenem Kaminzug funktioniert autark, sofern Sie Brennholz lagern. Notfalls reduzieren Sie die Heizung auf einen einzigen Raum (Wohnzimmer), schließen Türen, dichten Fenster mit Decken ab und schichten Funktionskleidung. Hochwertige Rettungsdecken und Schlafsäcke bis -10 °C sind im Winter-Notfall genauso wertvoll wie eine Heizquelle. Beim Schneechaos in Bayern 2019 und Niedersachsen 2010 waren teilweise 60.000 Haushalte mehrere Tage ohne Strom. Eine vollständige Winterstrategie lesen Sie in unserem Blog Schneechaos-Vorsorge im Winter.
Lohnt sich ein Solarpanel in Deutschland im Winter?
Mit Einschränkungen: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnet im Dezember und Januar in Norddeutschland nur 30–45 Sonnenstunden pro Monat, in Süddeutschland 50–80 Stunden. Ein 100-W-Faltsolarpanel (EcoFlow 100W, Jackery SolarSaga 100) liefert dann statt der nominellen Spitzenleistung realistisch nur 10–30 W bei Bewölkung. Das reicht im Winter nicht für eine vollständige Powerstation-Ladung, deckt aber den Tagesbedarf für Smartphones, Radio und LED-Beleuchtung. Ab Frühjahr (März) und in den Sommermonaten erreicht ein 100-W-Panel an klaren Tagen 70–90 W über 4–6 Stunden, was für regelmäßiges Nachladen einer 1.000-Wh-Powerstation genügt. Empfehlung: Wer kein Hausdach hat, sollte ein faltbares 100–200-W-Panel als Ergänzung zur Powerstation einplanen, nicht als Hauptquelle. Geprüfte Solar- und Powerbankmodelle finden Sie in unserer Übersicht Energie und Beleuchtung.
Wie lade ich mein Smartphone in einem mehrtägigen Stromausfall?
Drei Wege haben sich in Realszenarien wie dem Spanien-Portugal-Blackout 2025 bewährt: (1) Powerbank als erste Linie: eine 20.000 mAh deckt 3–4 vollständige Smartphone-Ladungen. (2) Autobatterie: ein USB-Adapter im Zigarettenanzünder lädt im Standgas oder direkt aus der Batterie; ein PKW mit 60-Ah-Batterie hat genug Reserve für 50+ Ladungen, ohne die Startfähigkeit zu verlieren. (3) Solar-Powerbank/Kurbeldynamo als letzte Linie, sehr langsam aber autark. Wichtig: Schalten Sie das Handy in den Energiesparmodus, deaktivieren Sie WLAN und mobile Daten außer für kurze Statuschecks, reduzieren Sie die Display-Helligkeit. So hält ein voller Akku 48–72 Stunden im Stand-by mit gelegentlicher SMS-Nutzung. Beim Stromausfall am Berliner Stadtrand 2019 waren genau diese Tipps entscheidend. Mehr Hintergrund im Blogartikel Stromausfall-Vorbereitung in Deutschland.
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