Euro-Scheine und Münzen gestapelt auf einem Tisch als Bargeldvorrat für den Notfall

Bargeld zu Hause für den Notfall: Wie viel braucht man?

Thomas Weber, Notfalltechnik · · 9 Min. Lesezeit · Planung & Szenarien
Aktualisiert:
Basierend auf: Zivilschutz (BBK) WHO Rotes Kreuz Europäische Kommission

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Am 28. Februar 2019 saßen über 31.000 Haushalte in Berlin-Köpenick rund 31 Stunden ohne Strom da. Kein Weltuntergang, kein Krieg – nur ein durchtrenntes Kabel. Und trotzdem: Geldautomaten standen still, Kartenterminals waren tot, kontaktloses Bezahlen funktionierte nicht mehr. Wer kein Bargeld zu Hause hatte, kam an sein eigenes Geld schlicht nicht heran. In diesem Ratgeber von Notfallplan schauen wir uns an, wie viel Bargeld für den Notfall sinnvoll ist, welche Scheine Sie wirklich brauchen und wie Sie das Ganze aufbewahren, ohne dass es zum Problem wird. Es geht nicht um Angst. Es geht darum, am Tag X nicht ohne dazustehen.

Warum das BBK einen Bargeldvorrat empfiehlt

Fangen wir mit dem an, was viele überrascht: Der Bargeldvorrat zu Hause ist keine Prepper-Marotte, sondern offizielle Empfehlung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt Bargeld in seinen Checklisten zur Notfallvorsorge ausdrücklich. Die Begründung ist nüchtern: Fällt der Strom aus, fallen mit ihm die digitalen Bezahlsysteme. Auch die Deutsche Bundesbank weist seit Jahren darauf hin, dass ein gewisser Bargeldbestand zu Hause als Rückfallebene dient, wenn die elektronische Infrastruktur einmal nicht verfügbar ist.

Das ist der Kern: Bargeld ist das einzige Zahlungsmittel, das ohne Strom und ohne Netz funktioniert. Es braucht keinen Server, keinen Mobilfunkmast, keine Bank, die gerade online ist. Eine Selbstverständlichkeit – bis sie wegfällt.

Und sie fällt schneller weg, als man denkt. Bei einem flächendeckenden Stromausfall hängt eine ganze Kette zusammen: Ohne Strom kein Kartenterminal an der Kasse, ohne Strom kein Geldautomat, der Scheine ausspuckt, ohne Mobilfunk keine Freigabe der Zahlung. Wer in so einer Lage einkaufen will, zahlt mit dem, was er in der Tasche hat – oder gar nicht. Wie sich so ein Ausfall im Haushalt sonst noch bemerkbar macht und was in den ersten Stunden Priorität hat, haben wir in unserem Ratgeber zur Stromausfall-Vorbereitung in Deutschland im Detail aufgeschrieben.

Warum Sie diesem Notfallplan-Ratgeber vertrauen können

Feuerwehr und Brandmeldesysteme

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2026

Diesen Ratgeber verantwortet Thomas Weber, Redakteur bei Notfallplan. Wir schreiben seit Jahren über häusliche Notfallvorsorge in Deutschland, mit Schwerpunkt auf den Szenarien, die hierzulande realistisch sind: Stromausfälle, Hochwasser, Sturmfluten an der Küste, Hitzewellen. Den Stromausfall in Berlin-Köpenick und die Berichte aus dem Ahrtal 2021 haben wir verfolgt und mit dem abgeglichen, was die offiziellen Stellen empfehlen.

Wie ist dieser Text entstanden? Jede Empfehlung stützt sich auf eine Quelle, die sie trägt: das BBK (bbk.bund.de) für die grundsätzliche Empfehlung eines Bargeldvorrats und für die Notfall-Checklisten, sowie die Deutsche Bundesbank (bundesbank.de) für die Rolle des Bargelds als Rückfallebene bei Ausfällen digitaler Systeme. Wir erfinden keine Zahlen – wo wir eine Summe nennen, ist es eine Faustregel, die Sie an Ihren Haushalt anpassen.

Wie viel Bargeld zu Hause aufbewahren?

Zugang zu Trinkwasser im Notfall

Schnelle Antwort: Eine gute Faustregel ist, die Grundausgaben von drei Tagen (72 Stunden) abzudecken. Für die meisten Haushalte sind das etwa 50-100 € pro Erwachsenem plus einen Aufschlag pro Kind. Wer eine Woche Autonomie will, rechnet höher.

Die eigentliche Frage ist nicht „wie viel Geld”, sondern „wie viele Tage”. Das Notfall-Bargeld überbrückt die Lücke zwischen dem Moment, in dem das Netz ausfällt, und dem Moment, in dem es wieder läuft. In den meisten Ereignissen, die wir in Deutschland gesehen haben, ist diese Lücke eine Sache von Stunden bis wenigen Tagen. Sich 72 Stunden als Ausgangsziel zu setzen, ergibt deshalb Sinn.

Zum Rechnen addieren Sie die Grundausgaben dieser drei Tage: frische Lebensmittel, ein Gang in die Apotheke, eine Tankfüllung, vielleicht ein Taxi, wenn es sein muss. Miete und Rechnungen lassen Sie außen vor – die zahlen Sie ganz normal, sobald der Strom zurück ist. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern? Mit 150-250 € deckt man drei Tage Grundbedarf mit Luft nach oben. Wer abgelegen wohnt oder Reserve für eine ganze Woche will, geht auf 400-500 € hoch.

Übertreiben Sie es aber nicht in die andere Richtung. Bargeld zu Hause ist totes Kapital, das nichts erwirtschaftet, und wenn Sie davon einen Berg horten, wird daraus ein Anreiz für einen Einbruch. Wir reden über ein Polster, nicht über eine Schatztruhe. Wie sich dieser Bargeldposten in eine vollständige Notfallausstattung einfügt, zeigen wir in unserem Notfall-Kit für 72 Stunden für Familien.

Auf die Stückelung kommt es an

Schnelle Antwort: Viele kleine Scheine (5, 10, 20 €) und genügend Münzen. Mit großen Scheinen bezahlen Sie im Ernstfall oft gar nichts, weil dem Geschäft das Wechselgeld fehlt.

Hier machen die meisten den Fehler: Sie heben im Vorfeld zwei, drei große Scheine ab und legen sie in die Schublade. Im Ernstfall nützt das wenig. Bei einem Stromausfall hat die Kasse kein elektronisches Wechselgeldsystem, das Personal rechnet von Hand, und der Bestand an Münzen und kleinen Scheinen ist nach der ersten Stunde aufgebraucht. Wer dann mit einem 50er ein Brot für 1,20 € bezahlen will, bekommt meist ein Kopfschütteln – und kein Brot.

Die Regel ist simpel: Sie sollten jeden kleinen Einkauf bezahlen können, ohne auf Wechselgeld angewiesen zu sein. Also viele Fünfer, Zehner und Zwanziger, dazu lose Münzen für die Cent-Beträge. Ein Bündel kleiner Scheine ist im Notfall mehr wert als derselbe Betrag in großen Scheinen.

Zwei oder drei 50er dürfen dabei sein, für eine größere Ausgabe: eine Tankfüllung, eine Hotelnacht, falls Sie das Haus verlassen müssen. Alles ab 100 € lassen Sie besser weg. Die wird Ihnen niemand wechseln, wenn Sie es am dringendsten brauchen.

Ein praktischer Mix für einen Vierpersonenhaushalt könnte so aussehen: der Großteil in Zehnern und Zwanzigern, ein paar Fünfer obendrauf, zwei 50er für den Notfall im Notfall – und eine Handvoll Münzen, die man gern vergisst.

Wo und wie Sie das Bargeld sicher aufbewahren

Schnelle Antwort: Verteilen Sie es auf zwei oder drei Stellen, meiden Sie die offensichtlichen Verstecke und schützen Sie es vor Wasser und, wenn möglich, vor Feuer. Ein Teil zu Hause, eine kleine Reserve im Notfallrucksack.

Verteilen statt bündeln

Das erste Prinzip lautet: nicht alles an einem Ort. Ein Einbruch, ein Brand, ein Wassereinbruch – jedes dieser drei Ereignisse nimmt auf einen Schlag alles mit, was an einer einzigen Stelle liegt. Teilen Sie die Reserve auf zwei oder drei Orte auf. Ein Teil zu Hause, gut verstaut, und ein kleinerer Umschlag im Notfallrucksack, falls Sie evakuieren müssen.

Suchen Sie sich einen unauffälligen Platz, einen, auf den Sie selbst aber ohne langes Nachdenken kommen. Denn ein Versteck nützt nichts, wenn es so gut ist, dass Sie es am Tag des Bedarfs selbst nicht mehr finden. Die Schublade im Schlafzimmer und die Keksdose im Küchenschrank sind die ersten Orte, an denen ein Einbrecher sucht – etwas weniger Naheliegendes ist besser.

Vor Wasser und Feuer schützen

Die zwei realen Bedrohungen im Haushalt sind Wasser und Feuer. Nach dem Hochwasser im Ahrtal verloren viele Menschen Dokumente und Bargeld, die in Schubladen lagen und im Schlamm versanken. Die günstige Lösung: den Bargeldumschlag in eine wasserdichte Hülle stecken, am besten zusammen mit der Mappe der wichtigen Dokumente. Gleiche Hülle, gleiche Logik – was Sie für die ersten Tage und für die Behördengänge danach brauchen, liegt geschützt und beisammen.

Wer es ernster nimmt, kann eine kleine feuerfeste Kassette nutzen. Pflicht ist das nicht. Wichtiger als die teure Kassette ist, dass Sie überhaupt eine Reserve haben und wissen, wo sie liegt.

Pflegen, nicht vergessen

Ein Bargeldvorrat ist nichts, was man einmal anlegt und dann für immer vergisst. Zählen und prüfen Sie das Geld ein- bis zweimal im Jahr. Ein Trick, der zuverlässig funktioniert: Koppeln Sie den Termin an die Zeitumstellung im März und Oktober, dann geht er nicht unter. Schauen Sie nach, ob die Summe noch vollständig ist, füllen Sie auf, was Sie zwischendurch für eine Kleinigkeit entnommen haben, und tauschen Sie stark abgenutzte Scheine.

Und ein Hinweis aus der Praxis: Ein Vorrat, den Sie drei Jahre nicht angefasst haben, ist meist nur noch halb da. Irgendwann kommt immer die spontane Ausgabe, die daran zieht. Deshalb der feste Kontrolltermin.

Das Bargeld ist ohnehin nur ein Baustein eines größeren Plans – es gehört zusammen mit der Dokumentenmappe, dem Wasservorrat, den Lebensmitteln und einer Lichtquelle gedacht. Wie all das in eine durchdachte Vorsorge passt, ordnet unsere komplette Anleitung zur Notfallvorsorge nach Prioritäten.

Und wenn Sie es lieber nach Maß rechnen lassen: Der Notfallplan-Planer sagt Ihnen, wie viel Sie von jeder Sache brauchen – abgestimmt auf die Zahl der Personen, die Tage und das Szenario. Jetzt den persönlichen Notfallplan erstellen.

Bargeld ist ein Baustein, nicht der ganze Plan

Bargeld zu Hause für den Notfall bedeutet weder Misstrauen gegenüber der Bank noch Vorbereitung auf den Weltuntergang. Es ist ein Drei-Tage-Polster für den Tag, an dem das Netz ausfällt – so wie in Berlin-Köpenick 2019. Rechnen Sie Ihre Grundausgaben aus, halten Sie das Geld in kleinen Scheinen bereit, verteilen Sie es auf zwei oder drei Orte, schützen Sie es vor Wasser und kontrollieren Sie es zweimal im Jahr. Günstig, einfach, und es erspart Ihnen den unangenehmen Moment, ein volles Konto zu haben und trotzdem kein Brot kaufen zu können.

Folgen Sie im Ernstfall immer den Anweisungen der Behörden und der Rettungsdienste (Notruf 112).


Die Informationen in diesem Beitrag dienen der präventiven Vorbereitung und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Bei finanziellen Entscheidungen wenden Sie sich bitte an eine fachkundige Beraterin oder einen fachkundigen Berater.

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Thomas Weber
Thomas Weber

Redakteur für Notfallvorsorge · Deutschland

Ich schreibe seit acht Jahren über Notfallvorsorge. Ich wohne in Nordrhein-Westfalen, der Region, die 2021 von der Ahrtalflut getroffen wurde. Hier geht es um das, was ich selbst getestet und erlebt habe — nicht um das, was sich in generischen Prepper-Blogs gut verkauft.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel Bargeld sollte ich zu Hause für den Notfall bereithalten?
Als Faustregel decken Sie die Grundausgaben von drei Tagen ab – für viele Haushalte sind das 50-100 € pro Erwachsenem plus etwas pro Kind. Eine vierköpfige Familie kommt mit 150-250 € in kleinen Scheinen gut über drei Tage. Wer eine Woche Autonomie will, rechnet großzügiger.
Welche Stückelung ist beim Notfall-Bargeld am sinnvollsten?
Viele kleine Scheine (5, 10, 20 €) und Münzen für die Cent-Beträge. Bei Stromausfall fehlt Geschäften das Wechselgeld – mit einem 50er bekommen Sie das Brot für 1,20 € oft nicht bezahlt. Zwei, drei 50er für größere Ausgaben sind okay, alles ab 100 € lieber lassen.
Wo bewahre ich Bargeld zu Hause am sichersten auf?
Verteilen Sie es auf zwei oder drei Stellen statt alles an einen Ort zu legen. Meiden Sie die offensichtlichen Verstecke, schützen Sie die Scheine vor Wasser (und möglichst Feuer) in einer wasserdichten Hülle und legen Sie eine kleine Reserve in den Notfallrucksack.

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