Hochwasser-Vorsorge: Lehren aus dem Ahrtal

Hochwasser-Vorsorge Deutschland: Lehren aus dem Ahrtal 2021

Thomas Weber · · 16 Min. Lesezeit · Planung & Szenarien

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Hochwasser-Vorsorge Deutschland: Lehren aus dem Ahrtal 2021

Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Im Ahrtal schliefen viele Menschen, als das Wasser kam. Sieben Meter hoch. Manche wachten nicht mehr auf.

Über 180 Tote. 33 Milliarden Euro Schaden. Die schlimmste Naturkatastrophe in Deutschland seit — ja, wann eigentlich? So lange kann sich niemand erinnern.

Und das Bittere: Warnungen gab es. Vier Tage vorher wussten die Behörden Bescheid. Nur: Die Warnungen kamen nicht an. Oder sie wurden ignoriert. “Wird schon nicht so schlimm.”

Ich schreibe das nicht, um Angst zu machen. Ich schreibe das, weil ich selbst in einem Risikogebiet lebe und mir nach dem Ahrtal gedacht habe: Was hätte ich gemacht? Hätte mein Handy nachts um 2 Uhr geklingelt? Wäre ich aufgestanden?

Dieser Ratgeber sammelt, was aus dem Ahrtal gelernt wurde. Praktische Sachen. Was die Leute vor Ort sagen, die überlebt haben. Was das BBK empfiehlt. Und was Sie heute Nachmittag tun könnten — bevor die nächste Warnung kommt.

Was im Ahrtal passiert ist

Lehre aus dem Ahrtal 2021: Die Hochwasser Vorsorge im Ahrtal zeigt, dass Frühwarnsysteme nur wirken, wenn Bürger einen konkreten Handlungsplan haben.

Die Chronologie

Am 12. Juli warnte das europäische Frühwarnsystem EFAS: Extremregen kommt. Die Information ging an deutsche Behörden. Passiert ist wenig.

  1. Juli, 17 Uhr: Der Pegel der Ahr steigt. Schnell. Zu schnell.

21 Uhr: Erste Evakuierungsaufrufe. Manche Gemeinden. Nicht alle.

Mitternacht: Das Wasser steht schon auf Rekordniveau. Und es steigt weiter.

Zwischen 1 und 3 Uhr morgens — da schlafen die meisten — erreicht die Flutwelle ihren Höchststand. Sieben Meter an manchen Stellen. Das ist höher als manche Häuser.

Als es hell wird, sieht man das Ausmaß. 62 Brücken weg. Allein im Ahrtal. Über 9.000 Gebäude beschädigt oder zerstört. Ganze Straßenzüge, die man nicht mehr erkennt.

Warum die Warnung nicht ankam

Die Warnungen existierten. Das Problem war die Verteilung.

Sirenen? In vielen Gemeinden abgebaut. Relikt aus dem Kalten Krieg, dachte man. Braucht man nicht mehr.

NINA-App vom BBK? Schickte Warnungen raus. Aber wer hat die schon installiert? Um 2 Uhr nachts?

Dann fiel der Strom aus. Und damit das Mobilfunknetz. Kein Handy, kein Internet, keine Warnung.

Am Ende erfuhren viele Leute erst Bescheid, als Nachbarn — zu Fuß, mitten in der Nacht — an ihre Türen hämmerten.

Und dann der Normalcy Bias. Kennen Sie das? “Ach, die Ahr, die kenne ich doch. So schlimm wird’s schon nicht.” Menschen unterschätzen Gefahr, wenn bisher nichts passiert ist. Im Ahrtal hat das Leben gekostet.

Die ersten 72 Stunden danach

Überleben war nur der erste Teil.

Kein Strom. Kein Trinkwasser aus dem Hahn. Kein Handy, das funktioniert. Die Straßen unter Schlamm oder einfach weg. Rettungskräfte kamen tagelang nicht durch.

Wer zufällig Campingausrüstung im Haus hatte — Gaskocher, Wasserflaschen, Taschenlampe mit Batterien — wurde zur Anlaufstelle für die ganze Nachbarschaft. Wer Bargeld griffbereit hatte, konnte sich versorgen, als EC-Automaten und Karten nicht mehr gingen.

Die Lektion: Wenn die Hilfe nicht kommen kann, musst du dir selbst helfen können. Zumindest für ein paar Tage.

Fünf Lehren aus dem Ahrtal

Lehre 1: Warnung selbst organisieren

Verlassen Sie sich nicht nur auf offizielle Kanäle. Die können ausfallen. Oder zu spät kommen.

Zum Thema Hochwasser Vorsorge Ahrtal Deutschland finden Sie hier die wichtigsten Empfehlungen und praktischen Hinweise.

Installieren Sie NINA auf Ihrem Handy. Aktivieren Sie standortbasierte Warnungen. Das ist kostenlos, dauert zwei Minuten. Dazu KATWARN — schadet nicht, beide zu haben.

Seit Februar 2023 gibt’s auch Cell Broadcast in Deutschland. Das sind Warnmeldungen, die direkt an alle Handys in einer Funkzelle gehen. Auch ohne App. Auch auf älteren Modellen. Aber darauf allein würde ich mich trotzdem nicht verlassen.

Bookmarken Sie die Pegelstände der Flüsse in Ihrer Nähe. Rheinland-Pfalz: hochwasser.rlp.de. NRW: pegel.nrw.de. Bayern: hnd.bayern.de.

Wenn Starkregen angekündigt ist, werfen Sie einen Blick drauf.

Und der wichtigste Tipp, der immer wieder aus dem Ahrtal kam: Kennen Sie Ihre Nachbarn. Eine WhatsApp-Gruppe der Straße. Wenn jemand schreibt “Der Bach steigt irgendwie komisch” — das kann Leben retten.

Lehre 2: Evakuierungsplan machen (jetzt, nicht später)

Wenn die Warnung kommt, ist keine Zeit zum Nachdenken. Da muss alles schon klar sein.

Zwei Routen raus. Nicht eine. Weil die erste vielleicht schon unter Wasser steht.

Vermeiden Sie Unterführungen. Die laufen zuerst voll. Tödliche Falle.

Ein Treffpunkt, falls die Familie getrennt wird. “Parkplatz beim Baumarkt am Berg.” Alle wissen Bescheid.

Gehen Sie die Routen einmal ab. Zu Fuß. Sie werden sehen, wo problematische Stellen sind. Senken, Engstellen, Unterführungen, die Sie vom Auto aus nie bemerkt haben.

Und dann üben Sie das. Einmal im Jahr. Klingt übertrieben. Aber im Ahrtal hatten die, die ihren Fluchtweg kannten, Minuten Vorsprung. Minuten.

Lehre 3: Notfall-Ausrüstung griffbereit (nicht im Keller)

Der häufigste Fehler: Alles steht im Keller.

Was passiert bei Hochwasser zuerst? Genau. Der Keller läuft voll.

Lagern Sie Ihren Notfallrucksack im Erdgeschoss. Oder höher. Neben der Haustür. In der Garage auf einem Regal. Wo Sie ihn in einer Minute greifen können.

Details zur Zusammenstellung — was genau reingehört — finden Sie in unserem Ratgeber zum Notfallrucksack. Grundregel: 72 Stunden. Wasser, Essen, Licht, Kommunikation, Erste Hilfe.

Lehre 4: Dokumente schützen

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus steht unter braunem Schlamm. Was wäre unwiederbringlich verloren?

Wasserdichte Dokumententasche. Kostet 15 bis 30 Euro. Rein kommt:

  • Ausweise und Pässe
  • Geburtsurkunden
  • Versicherungspolicen
  • Grundbuch oder Mietvertrag
  • Medikamentenplan
  • KFZ-Brief

Plus: Digitale Kopien auf einem USB-Stick. Und in einer Cloud, falls der Stick auch weg ist.

Das ist ein Nachmittag Arbeit. Im Ernstfall spart es Monate Ämter-Chaos.

Lehre 5: Nachbarschaft kennen

Diese Lehre kam direkt aus den Überlebensberichten.

In vielen Fällen war es keine Behörde, die gerettet hat. Es war der Nachbar, der um 2 Uhr nachts an die Tür gehämmert hat. “Raus hier!”

Wissen Sie, wer in Ihrer Straße allein lebt? Wer nicht gut zu Fuß ist? Wer vielleicht kein Smartphone hat und keine App-Warnung bekommt?

Eine WhatsApp-Gruppe. Ein Straßenfest einmal im Jahr. Sich kennen.

Das ist Vorsorge. Keine Technologie nötig.

Warnsysteme verstehen

NINA richtig nutzen

Die NINA-App (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) ist vom BBK. Kostenlos. Offizieller Standard für Katastrophenwarnungen.

Zum Thema Hochwasser Vorsorge Ahrtal Deutschland finden Sie hier die wichtigsten Empfehlungen und praktischen Hinweise.

So richten Sie sie optimal ein:

App runterladen. iOS und Android.

Standortbasierte Warnungen aktivieren — dann werden Sie auch unterwegs gewarnt.

Wohnort und wichtige Orte als feste Standorte hinzufügen. Arbeitsplatz. Schule der Kinder.

Push-Benachrichtigungen prüfen. Sind die wirklich an? Testen Sie das.

NINA warnt übrigens nicht nur vor Hochwasser. Auch Unwetter, Brände, Stromausfälle. Die Meldungen kommen direkt vom BBK und den lokalen Leitstellen.

Cell Broadcast

Seit Februar 2023 ist das in Deutschland aktiv. Bei extremen Gefahren bekommen alle Handys in einer Funkzelle eine Warnung. Auch ohne installierte App. Auch ältere Telefone.

Sie müssen nichts tun außer Ihr Handy angeschaltet haben.

Pegel selbst im Blick behalten

Die Apps sind gut. Aber es schadet nicht, auch selbst nachzuschauen.

Die Pegel-Portale Ihres Bundeslandes zeigen den aktuellen Wasserstand und die Vorhersage für die nächsten Stunden.

Legen Sie für sich eine persönliche Schwelle fest. Wenn der Bach X die Marke Y erreicht, check ich alle halbe Stunde und bereite die Evakuierung vor. So vermeiden Sie sowohl Panik als auch diese gefährliche “wird schon gut gehen”-Haltung.

Sirenen

In vielen Gemeinden gibt’s wieder welche. Nach dem Ahrtal wurden sie aufgebaut.

Die Signale:

Eine Minute Dauerton — Entwarnung.

Eine Minute auf- und abschwellend — Warnung. Radio einschalten, Anweisungen befolgen.

Das ist bundesweit einheitlich. Manche Gemeinden haben zusätzliche lokale Signale. Website Ihrer Stadt checken.

Ihr persönlicher Hochwasser-Notfallplan

Sind Sie überhaupt gefährdet?

Erster Schritt: Wissen, ob es Sie treffen könnte.

Hochwasser-Risikokarten gibt es online bei den Landesumweltämtern. Adresse eingeben, fertig. Die zeigen Überschwemmungsgebiete für 10-Jahres-Hochwasser, 100-Jahres-Hochwasser oder Extremereignisse.

Aber. Und das ist ein großes Aber.

Die Ahrtal-Flut? War ein 500-Jahr-Ereignis. Die Karten zeigten viele Gebiete gar nicht als gefährdet. Weil da normalerweise nur ein kleines Rinnsal floss. Und dann kam ein Sturzbach, wo vorher keiner war.

Schauen Sie sich Ihr Grundstück selbst an. Liegt es in einer Senke? Hangwasser fließt bergab und sammelt sich. Gibt es in der Nähe einen Bach, einen Graben? Kann der anschwellen? Wie tief ist Ihr Keller — läuft der bei steigendem Grundwasser voll?

Evakuierungsrouten

Mindestens zwei. Weil die erste blockiert sein kann.

Was Sie meiden:

  • Unterführungen (sind zuerst voll)
  • Tiefe Straßenabschnitte
  • Brücken über den bedrohten Fluss
  • Einspurige Straßen (verstopfen)

Treffpunkt festlegen. Für den Fall, dass die Familie getrennt wird. Alle müssen ihn kennen. Auch die, die gerade nicht zu Hause sind.

Checkliste für schnelle Evakuierung

Wenn die Warnung kommt — jede Minute zählt.

Diese Reihenfolge:

  1. Notfallrucksack greifen
  2. Auto in Sicherheit bringen (auf höher gelegenen Parkplatz) — oder akzeptieren, dass es verloren ist
  3. Wenn Zeit: Wertsachen aus Keller nach oben
  4. Gas und Wasser am Haupthahn zudrehen
  5. Strom am Sicherungskasten aus (bevor Sie gehen!)
  6. Haustiere. Vergessen Sie die nicht. Transportbox sollte griffbereit sein.
  7. Fenster und Türen zu (verzögert den Wassereintritt etwas)
  8. Evakuierungsroute nehmen. Nicht die kürzeste — die sicherste.

In unserem Notfall-Kit für Familien steht im Detail, was griffbereit stehen sollte.

Falls Sie nicht rauskommen

Manchmal geht es zu schnell. Evakuierung wäre gefährlicher als Bleiben.

Dann: Niemals in den Keller. Niemals. Der füllt sich zuerst. Und dann kommen Sie nicht mehr raus.

Obere Stockwerke. Wenn möglich, kennen Sie vorher einen Weg aufs Dach. Dachfenster, Luke.

Position signalisieren: Weiße Tücher aus dem Fenster. Nachts mit der Taschenlampe blinken. Rettungskräfte suchen danach.

Hochwasser-Notfallrucksack

Ein Rucksack speziell für Hochwasser unterscheidet sich von einem normalen Fluchtrucksack. Das Stichwort: wasserdicht.

Aufbewahrung

Entweder einen Rucksack mit IP67-Rating. Oder Dry Bags in einem normalen Rucksack.

Alles was trocken bleiben muss — Kleidung, Dokumente, Elektronik — zusätzlich in Zip-Beuteln.

Wir haben ein paar wasserdichte Rucksäcke getestet. Nicht alle IP67-Angaben stimmen wirklich. Ein brauchbarer kostet 40 bis 80 Euro. Klingt viel. Aber wenn Sie Ihre Dokumente, Ihr Handy und trockene Wäsche dadurch retten — lohnt sich sofort.

Wasserdichter Rucksack 30L IP67

Vollständig wasserdicht bis zur Tauchtiefe. Ideal für Hochwasser-Evakuierung mit Dokumententasche und Laptopfach. Getestet bei Starkregen und Wasserdurchquerung.

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Dokumententasche

Wasserdicht. 15 bis 30 Euro.

Rein kommen: Ausweise, Versicherungspolicen (zumindest eine Zusammenfassung), KFZ-Brief, Medikamentenplan, Notfallkontakte auf Papier, USB-Stick mit digitalen Kopien.

Kommunikation und Strom

Wenn Mobilfunk und Stromnetz ausfallen — und im Ahrtal ist beides passiert — brauchen Sie Alternativen.

Powerbank. 20.000 mAh mindestens. Besser mehr. Das reicht für vier, fünf komplette Handy-Ladungen. Kosten: 30 bis 50 Euro. Halten Sie die immer aufgeladen.

Powerbank 20.000 mAh mit Schnellladung

Lädt Smartphone 4-5 Mal vollständig. USB-C und USB-A Anschlüsse. Kompakt genug für den Notfallrucksack. LED-Anzeige für Akkustand.

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Kurbelradio. Mit DAB+ oder UKW. Funktioniert ohne Strom, ohne Internet. Manche Modelle haben eine kleine Taschenlampe und USB-Ausgang dabei — dann können Sie notfalls auch das Handy ein bisschen laden. Kosten: 30 bis 50 Euro.

Kurbelradio DAB+ mit Taschenlampe und Powerbank

Unabhängig von Strom und Internet. DAB+ und UKW Empfang. Integrierte LED-Taschenlampe und USB-Ausgang zum Notladen des Handys. Solarpanel als Backup.

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Signalpfeife. Ja, klingt altmodisch. Eine Trillerpfeife trägt aber weiter als Rufen. Und verbraucht keine Batterien. 3 Euro.

Wasser

Nach einer Überschwemmung ist Leitungswasser meist kontaminiert. Fäkalien, Heizöl, Chemikalien — alles, was die Flut mitreißt, landet im Wasser.

Tragbarer Wasserfilter. Sawyer Mini oder LifeStraw. Filtert Bakterien und Protozoen. Für chemische Verunreinigungen reicht’s nicht, aber wenn Sie Bachwasser trinken müssen — besser gefiltert als gar nichts. 30 bis 60 Euro.

Sawyer Mini Wasserfilter

Filtert 99,99% aller Bakterien und Protozoen. Kapazität: 400.000 Liter. Wiegt nur 57 Gramm. Mit Trinkbeutel und Adapter für PET-Flaschen.

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Entkeimungstabletten als Backup. Micropur, Katadyn. Die kriegen auch Viren. 10 bis 15 Euro.

Faltbarer 10-Liter-Kanister. Wenn wieder sauberes Wasser da ist, können Sie größere Mengen transportieren.

Mehr dazu in unserem Vergleich Wasserfilter versus Entkeimungstabletten.

Erste Hilfe

Überschwemmungen haben spezifische Gefahren. Schnittwunden durch Trümmer im Wasser. Infektionen durch kontaminiertes Wasser. Unterkühlung.

Wasserdichtes Erste-Hilfe-Set. Pflicht.

Inhalt nach DIN 13164 (das ist der KFZ-Verbandskasten), dazu:

  • Desinfektionsmittel (wichtig bei Schmutzwasser)
  • Sterile Handschuhe
  • Rettungsdecke
  • Persönliche Medikamente für 14 Tage

Übrigens: Ist Ihre Tetanus-Impfung aktuell? Nach Kontakt mit Schmutzwasser steigt das Infektionsrisiko.

In unserem Erste-Hilfe-Set Ratgeber steht die komplette Liste.

Kleiner Hinweis: Die Erste-Hilfe-Sachen hier ersetzen keinen Arzt und keinen richtigen Kurs. Bei Unsicherheit: zum Arzt.

Kleidung

Wathose oder hohe wasserdichte Gummistiefel. Damit können Sie durch knietiefes Wasser waten. Zur Evakuierung oder um Nachbarn zu helfen. 40 bis 100 Euro.

Wechselkleidung. In wasserdichtem Beutel. Mindestens Unterwäsche, Socken, langärmeliges Oberteil, Hose.

Rettungsdecke. Diese Alufolien-Dinger. Nehmen kaum Platz weg und schützen vor Unterkühlung, wenn Sie nass geworden sind. 2 Euro.

Die komplette Liste

Kommunikation:

  • Powerbank 20.000+ mAh
  • Kurbelradio
  • Signalpfeife
  • Notfallkontakte auf Papier

Dokumente:

  • Wasserdichte Tasche
  • Ausweise, Versicherungen, Medikamentenplan
  • USB-Stick

Wasser:

  • Wasserfilter
  • Entkeimungstabletten
  • Faltkanister 10 Liter

Erste Hilfe:

  • Wasserdichtes Set
  • Desinfektionsmittel
  • Persönliche Medikamente, 14 Tage

Kleidung:

  • Wathose oder hohe Gummistiefel
  • Wechselkleidung in Zip-Beutel
  • Rettungsdecke

Sonstiges:

  • Wasserdichte Taschenlampe plus Ersatzbatterien
  • Bargeld, kleine Scheine, 200 bis 500 Euro
  • Essen für 72 Stunden (Riegel, Trockennahrung)

Hochwasserschutz fürs Haus

Neben der Vorbereitung auf die Evakuierung gibt es Sachen, die Ihr Zuhause widerstandsfähiger machen.

Bauliche Maßnahmen

Rückstauklappe. Vielleicht die wichtigste Investition für Kellerbesitzer.

Wenn Hochwasser kommt, drückt oft die Kanalisation rückwärts ins Haus. Das Wasser kommt nicht von oben, sondern quillt aus den Abflüssen. Eine Rückstauklappe verhindert das. Kosten: 200 bis 800 Euro mit Einbau.

Druckwasserdichte Kellerfenster. Spezielle Fenster oder nachgerüstete Dichtungen. 200 bis 500 Euro pro Fenster.

Heizöltank sichern. Wenn der Tank leer oder halbvoll ist, kann er bei Überflutung aufschwimmen. Die Leitungen reißen ab. Dann haben Sie nicht nur Wasserschaden, sondern auch Ölkontamination. Mit Haltebändern am Boden fixieren.

Sandsäcke und Alternativen

Sandsäcke. Der Klassiker.

Faustregel: Pro Meter Breite und 25 cm Stapelhöhe etwa 10 Sandsäcke. Für eine Kellertür (ein Meter breit) auf 50 cm — das sind 40 bis 50 Sandsäcke.

Zwei Personen schaffen etwa 100 Säcke pro Stunde. Und das ist hart. Bestellen Sie den Sand vorher. Wenn die Warnung kommt, sind die Baumärkte sofort leer.

Alternativen: Quickdamm, Hydrosack. Die quellen bei Wasserkontakt auf und sind leichter zu lagern. 50 bis 200 Euro für eine Grundausstattung.

Pumpen

Schmutzwasserpumpe. Kann eingedrungenes Wasser abpumpen. Ab 80 Euro für ein brauchbares Modell.

Aber: Wenn der Strom schon weg ist, funktioniert die Pumpe nicht.

Es gibt Akkupumpen. Teurer, aber unabhängig vom Netz. Wer häufiger Hochwasser-Warnungen bekommt, für den lohnt sich vielleicht auch eine tragbare Powerstation.

Versicherung

Und jetzt der Schock für viele: Die normale Hausrat oder Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasser nicht.

Dafür brauchen Sie eine separate Elementarschadenversicherung.

Die Kosten hängen stark von der Region ab. ZÜRS-Zonen 1 bis 4. Rechnen Sie mit 50 bis 300 Euro im Jahr.

Das Problem: In Hochrisikogebieten bekommen Sie vielleicht gar keine Police mehr. Und nach dem Ahrtal haben Versicherer die Bedingungen verschärft.

Wenn Sie in einem gefährdeten Gebiet leben? Sichern Sie sich jetzt ab. Bevor die nächste Flut kommt und es noch schwieriger wird.

Häufige Fragen

Wie lange vorher kann ich ein Hochwasser kommen sehen?

Bei Flusshochwasser — Rhein, Elbe, Donau — oft mehrere Tage. Die Pegel flussaufwärts zeigen, was kommt.

Bei Sturzfluten durch lokalen Starkregen? Nur Stunden. Manchmal weniger. Deshalb die Apps.

Welche App ist am besten?

NINA plus KATWARN zusammen. Dazu die Pegel-App Ihres Bundeslandes. Cell Broadcast kommt automatisch bei extremen Gefahren.

Reicht meine normale Hausratversicherung?

Nein. Hochwasser und Starkregen sind Elementarschäden. Dafür brauchen Sie einen Zusatzbaustein. Prüfen Sie Ihren Vertrag.

Wie viele Sandsäcke brauche ich?

Pro Meter Breite und 25 cm Höhe: etwa 10 Säcke. Kellertür ein Meter breit, 50 cm hoch absichern: rund 50 Sandsäcke. Kellerfenster und Garageneinfahrten nicht vergessen.

Kann ich das Leitungswasser nach einer Überschwemmung noch trinken?

In der Regel nicht. Das Netz kann kontaminiert sein. Nur abgekochtes oder gefiltertes Wasser, bis die Behörden ausdrücklich sagen, dass es wieder okay ist. Durchsagen im Radio abwarten.

Zum Schluss

Das Ahrtal hat gezeigt: Naturkatastrophen passieren nicht nur in den Fernsehnachrichten aus anderen Ländern. Sie können jeden treffen. Auch hier. Auch Sie.

Die wichtigsten Maßnahmen kosten wenig und brauchen einen Nachmittag. NINA installieren. Rucksack packen. Dokumente kopieren. Nachbarn kennenlernen.

Das ist keine Paranoia. Das ist Verantwortung.

Und falls nichts passiert? Dann haben Sie eine ordentliche Dokumentensammlung. Einen Rucksack, der auch fürs Camping taugt. Und Nachbarn, die Sie kennen.

Kein schlechtes Ergebnis für einen Nachmittag.

Also los. Heute. Nicht morgen.

Wenn die Warnung kommt, ist morgen zu spät.


Zuletzt aktualisiert: März 2026

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Thomas Weber

Gründer von Notfallvorsorgeplan. Schreibt über Notfallvorsorge mit einem praktischen Ansatz, basierend auf offiziellen Quellen und ohne Panikmache.

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